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Menstruation - Das fatale Tabu

Frauen mit Endometriose besuchen häufig bis zu neun Jahre lang mehrere Ärzte, bis sie ihre Diagnose bekommen. Doch warum ist das so? Ein Teil des Problems kann sein, dass die Menstruation noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft darstellt.

Sind doch „nur“ Regelschmerzen - oder?

Ein Viertel aller Frauen über 30 Jahren haben Uterusmyome, also gutartige Tumore. Diese können zu Zwischenblutungen, starken Regelblutungen, und starken Schmerzen führen. Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt sind keine Seltenheit.1

Die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS oder PMDD), eine besonders schwere Form der PMS, bei der psychische Beschwerden hinzukommen, ist erst seit 2013 als Psychische Erkrankung offiziell anerkannt. Schätzungsweise drei bis acht Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen.2

Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung: jährlich erkranken 40.000 Frauen in Deutschland neu an diesen gebärmutterschleimhautähnlichen Herden außerhalb der Gebärmutter, die auch starke Schmerzen und verstärkte Regelbeschwerden auslösen können. Es dauert im Durchschnitt 6 bis neun Jahre bis zur Diagnosestellung – fast ein Jahrzehnt, in dem Folgekomplikationen bis hin zur Unfruchtbarkeit auftreten können. In dieser Zeit haben die Hälfte der betroffenen Frauen mehr als fünf Ärzte aufgesucht – vergeblich.3

Doch warum ist das so? Warum müssen Frauen oft über Jahre hinweg zu mehreren Ärzten gehen, bis sie ihre Diagnose und damit klare Therapiemöglichkeiten haben? Warum werden sie von Ärzten und ihrem Umfeld lange nicht ernstgenommen, und nehmen sich und ihre Beschwerden häufig auch selbst nicht ernst?

Über die Regel sprechen: Das ist (noch) nicht die Regel

Für die Antwort auf diese Frage hilft es, sich den Fall Franziska W. anzusehen. Franziska W. schlägt ihrer Dozentin das Thema für ihre Bachelorarbeit vor: „Die Enttabuisierung eines Themas in Medien und Gesellschaft am Beispiel Menstruation“. Um die Bedeutung und die Tragweite des Themas zu belegen, zitiert sie aus Statistiken, wissenschaftlicher Literatur, historischen Dokumenten: Frauen geben in ihrem Leben durchschnittlich 8.600€ für Hygieneprodukte aus; Dabei verbrauchen sie 10-17.000 Tampons – Müll, der leicht vermeidbar wäre, weil es deutlich ressourcenschonendere und billigere Alternativen gibt, die aber noch immer weitgehend unbekannt sind; in vielen Teilen der Welt werden Frauen während der Periode noch immer stigmatisiert und ausgegrenzt, Mädchen in Westafrika dürfen während ihrer Periode nicht zur Schule gehen und haben daher schlechtere Bildungschancen; Donald Trump verspottet eine Reporterin wegen ihrer unliebsamen Fragen damit, dass sie sicherlich ihre Periode habe; … und so weiter.4

Dann kam die Antwort der Hochschule: das Thema habe keine wissenschaftliche Relevanz. Wörtlich habe ihre Betreuerin gesagt: „Das Thema geht so gar nicht, sorry.“ Für Franziska empörend. Nachdem sie nach langer Suche und Kämpfen um ihr Thema, das für sie eine Herzensangelegenheit ist, doch noch eine Betreuerin für ihre Arbeit findet, verfasst sie einen Facebook-Post5 über ihre Erlebnisse an der Universität, der viral geht. Sie erntet zwar viel Zuspruch – aber auch mindestens ebenso viele abfällige Kommentare.

Noch ein Beispiel: Die Firma Thinx, Hersteller von Menstruations-Unterwäsche als Ersatz für Tampons und Binden, wollte in der New Yorker U-Bahn dafür werben. Die Werbung, auf der lediglich eine Frau in Slip und T-Shirt zu sehen war, kein ungewöhnlicher Anblick in der Werbung also, wurde von den Medienplanern der New Yorker Verkehrsbetriebe (MTA) aber abgelehnt – die Anzeige sei zu anstößig.6

Und noch ein Beispiel: Kiran Gandhi verzichtet beim London-Marathon auf das Tragen eines Tampons. Die Bilder von ihrem Zieleinlauf mit einem Blutfleck zwischen den Beinen gehen um die Welt – und werden, neben viel Zuspruch, auch als „disgusting“, ekelhaft, beschimpft.7

Wir haben ein unnatürliches Problem mit der natürlichsten Sache der Welt

Die Liste von Beispielen für das Problem ist lang, und alles zeigt eines ganz deutlich: Offenbar haben wir auch heute im 21. Jahrhundert noch ein großes Problem mit menstruierenden Frauen. Frauen gehen wählen, arbeiten, an die Börse, ins All, zur Bundeswehr, in die Politik, einfach überall hin, wo Männer auch sind – nur dürfen sie dabei bloß nicht – Gott bewahre – über das natürlichste der Welt sprechen: ihre Regel.

Krankheiten wie PMDD und Endometriose und die individuellen oft jahrelangen Leidensgeschichten, die oben nachgezeichnet wurden, sind die fatale Folge davon, dass Frauen noch immer von den „Erdbeertagen“, vom „Besuch von Tante Rosa“ oder dem „Fluch“ sprechen. Denn dass die Regel immer noch ein Tabuthema ist, führt dazu, dass auch diese Krankheiten in der Bevölkerung und auch bei Ärzten unbekannt sind. Es wird zu wenig in die Erforschung neuer Behandlungsmethoden investiert, und Patientinnen nehmen sich selbst und ihre Beschwerden oft ebenso wenig ernst wie ihr Umfeld und Ärzte. Denn es ist ja nur die Periode, da muss man eben durch.

Studien haben außerdem gezeigt, dass Schmerzen bei weiblichen Patientinnen weniger ernst genommen und häufiger als psychosomatisch diagnostiziert werden als bei Männern. Frauen bekommen vom Arzt häufiger Beruhigungsmittel verschrieben als Schmerzmittel. Und Frauen müssen im Durchschnitt länger auf Schmerzmittel warten als Männer.8

Lasst uns reden!

Doch das Problem liegt nicht bei den Männern allein, das Problem liegt bei uns allen. Laut einer Studie spricht nur eine von fünf Frauen mit ihrem Partner über ihre Menstruation.9 Lasst uns also über das Thema sprechen. Die Periode ist ein wichtiges Thema, das immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft. Wenn die Periode enttabuisiert werden kann, dann kann auch das Bewusstsein für Krankheiten wie PMDD, Endometriose und Myome geschärft werden.

Sie leiden an PMDD oder an Uterusmyomen? Vielleicht kommt für Sie ja eine Studienteilnahme im emovis-Studienzentrum in Frage. Informieren Sie sich gerne unter https://www.studien-in-berlin.de/studienuebersicht/

Quellen

1 https://www.apotheken-umschau.de/Myom (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

2 https://www.spektrum.de/news/warum-hormone-manche-frau-extrem-plagen/1368787 (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

3 Dogan, S. et al. (2008). Diagnostik der Endometriose: Neue Tests aus peripherem Blut. In Journal für Gynäkologische Endokrinologie, Vol. 2 (2), S. 14-17.

4 https://www.zeit.de/campus/2018-09/menstruation-tabuisierung-universitaet-bachelorarbeit-bildung (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

5 https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10211997727170615&id=1596241803 (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

6 https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/menstruation-thinx-usa-debatte-slips (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

7 https://www.watson.ch/gender/grossbritannien/605476989-periodenblut-als-protest-frau-laeuft-marathon-ohne-tampon (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)

8 Chen, Esther et al. (2008). Gender disparity in analgesic treatment of emergency department patients with acute abdominal pain. In Academic Emergency Medicine, Vol. 15 (5), S.414-418.

9 https://www.deutschlandfunkkultur.de/menstruation-der-kampf-gegen-ein-uraltes-tabu.976.de.html?dram:article_id=376693 (letzter Zugriff 30.11.2018, 15:16 Uhr)