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Apphilfe bei Depressionen

Das Angebot an Gesundheits-Apps ist schier unendlich: hunderttausende Fitness-Tracker, Schlaf-Tracker, Diagnose-Apps und vieles mehr gibt es mittlerweile für das Smartphone. In diese Anwendungen werden massive Hoffnungen gesetzt, das Gesundheitssystem zu entlasten und Betroffenen zu helfen. Viele Angebote sind jedoch umstritten. Besonders skeptisch werden Apps, die gegen Depressionen helfen sollen, gesehen. Doch was können diese Apps überhaupt realistischerweise leisten?

Das Smartphone als Tagebuch

Apps rund um Depressionen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Da wäre zum Beispiel die „Enke-App“ (benannt nach Bundesliga-Torwart Robert Enke, der sich nach einer langen Depressionsgeschichte das Leben nahm), die einen SOS-Knopf enthält, mit dem Betroffene in kritischen Situationen und Stimmungslagen Angehörige oder den Notdienst rufen sollen. Doch es gibt noch viel weitreichendere Angebote.

Mit Apps wie Moodkit führt man ein digitales Stimmungstagebuch, und Arya verbindet dieses Tagebuch mit Achtsamkeitsübungen. Auch kognitionstherapeutische Ansätze mittels stimmungsverbessernden Übungen sind in manchen Apps zu finden. Deprexis zum Beispiel ist ein Online-Tool, das bereits auf seine Wirksamkeit wissenschaftlich untersucht wurde und das Ärzte und Psychologen begleitend zu ihrer Therapie einsetzen1. Hier können Patienten in einer Art Dialog sowohl ein Stimmungstagebuch führen, als auch Achtsamkeitsübungen durchführen und den eigenen Therapiefortschritt verfolgen.

Chancen – Versorgungsengpässe überbrücken

Jeder fünfte Deutsche erkrankt einmal in seinem Leben an einer Depression.2 Unter anderem deshalb sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz hierzulande sehr lang, und wer in dieser Zeit ohne Hilfe bleibt, kann sich alleingelassen fühlen. Dadurch und durch die in dieser Wartezeit fehlende Behandlung können sich die Leiden verschlimmern.

Hier können Apps zumindest einen Ansatz bieten, die Versorgungslücke zu füllen und die Erkrankten zu begleiten. Digitale Stimmungstagebücher beispielsweise können Betroffenen durchaus helfen, negative Denkmuster zu erkennen und erste Erkenntnisse zu gewinnen. Doch langfristig sollte die App-Therapie in jedem Fall mit einer konventionellen Therapie kombiniert werden. Der Therapeut kann dann auch auf digitale Angebote wie deprexis zurückgreifen, um mithilfe der so gewonnenen Daten die Therapie zu unterstützen.

Probleme – keine Qualitätsstandards

Trotz dieser Chancen ist beim Gebrauch von Apps zur Behandlung von Depressionen Vorsicht geboten: denn für Laien ist nicht immer ersichtlich, wie zuverlässig die Qualität einer App und ihrer Inhalte ist. Es gibt bis heute keine Qualitätsstandards oder offizielle Zertifikate für Therapie-Apps, sodass viele unausgereifte Anwendungen auf dem Markt sind.

Auch der Entwickler sowie Auftraggeber der App muss ersichtlich sein, und es sollte darauf geachtet werden, ob diese von fachkundigem Personal, also von Ärzten, Psychologen oder Hilfsorganisationen (mit-)entwickelt wurde. So kann auch die Gefahr eingedämmt werden, dass Datenschutzregelungen missachtet werden. Denn kostenlose Angebote im Appstore finanzieren sich häufig anstelle der Nutzungsgebühren über den Verkauf von – in diesem Fall hochsensiblen – Nutzerdaten.

Psychotherapeuten warnen außerdem davor, zu viele Hoffnungen in Apps zu setzen: wenn diese nämlich nicht helfen, kann das die Hoffnungslosigkeit der Betroffenen und den Pessimismus über einen möglichen Therapieerfolg weiter verstärken.

Experten raten zur konservativen Therapie

Deshalb kritisieren viele Experten diese Online-Angebote scharf: Apps könnten demnach zu einer Bagatellisierung von Depressionen führen und den Betroffenen vorgaukeln, es sei mit einer Onlineanwendung getan.3 Daher wird generell empfohlen, Apps stets nur als Begleitung zu einer konservativen Therapie anzusehen. Denn die Online-Therapie kann zwar eine sinnvolle und für beide Seiten gewinnbringende Ergänzung zu einer Psychotherapie oder gar einer medikamentösen Behandlung sein. Doch die Beziehung zu einem Therapeuten und seine professionelle Hilfe kann sie nicht ersetzen.

Sie oder ein Angehöriger leiden an Depressionen? Zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu suchen. Ein breites Angebot an Unterstützung finden Sie zum Beispiel bei der Deutschen Depressionshilfe.

Sie sind außerdem herzlich eingeladen, sich in unserem Studienzentrum von einem unserer Ärzte zu Therapiemöglichkeiten oder einer möglichen Studienteilnahme diskret beraten zu lassen.

Quellen

1 Meyer B, Berger T, Caspar F, Beevers C, Andersson G, Weiss M: Effectiveness of a Novel Integrative Online Treatment for Depression (Deprexis): Randomized Controlled Trial. J Med Internet Res 2009;11(2).

2 https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe (zuletzt abgerufen am 16.08.2018, 13:25)

3 https://www.apotheken-umschau.de/Depression/Helfen-Apps-gegen-Depressionen-535259.html (zuletzt abgerufen am 16.08.2018, 13:25)