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So schützen Sie sich vor Krankenhauskeimen

Eine Faust schlägt durchs Wasser.

Krankenhauskeime, wahlweise auch Superkeime genannt, sind in aller Munde. Doch wovon spricht man hier überhaupt? Und wie gefährlich sind sie wirklich? Dies und wie man sich vor ihnen als Patient oder Besucher im Krankenhaus schützen kann, erfahren Sie hier. Achtung, Spoiler: am Internationalen Tag des Händewaschens (15. Oktober) darf dieser Tipp - Händewaschen - natürlich nicht fehlen.

Die Nosokomiale Infektion („Nosokomeion“= Krankenhaus) ist eine Infektion, die vor allem im Krankenhaus und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, zum Beispiel in Altersheimen und Dialysezentren, auftritt. In diesen Umgebungen haben Bakterien leichtes Spiel: hier treffen viele Menschen auf engem Raum zusammen, die alt, krank und geschwächt sind, deren Immunsystem Infektionen also wenig entgegenzusetzen hat. Hinzu kommen offene Wunden und invasive Prozeduren, die die Verbreitung von Keimen begünstigen. Auch erschwert der Personalmangel in Krankenhäusern es Ärzten und Pflegern, Hygieneregeln verlässlich umzusetzen, sodass Keime sich leichter verbreiten können.1

Derzeit infizieren sich etwa 3,5% aller Patienten in Deutschland mit solchen Keimen, die Folge sind schätzungsweise 10.000 Todesfälle pro Jahr.2 Ihre Behandlung ist häufig schwierig, und es wird erwartet, dass die Zahl der Infektionen noch deutlich steigen wird. Das liegt an der sogenannten Multiresistenz, die Bakterien entwickeln: durch den inflationären, zu breiten Einsatz von Antibiotika mutieren Bakterien und werden so gegen sie resistent.

Die Symptome, die Patienten nach der Infektion mit Krankenhauskeimen wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), ESBL-bildenden Bakterien (Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen) oder Clostridium Difficile entwickeln, können von Harnwegs- und Lungenentzündungen, Haut- beziehungsweise Wundentzündungen über Darm- und Magenerkrankungen und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Blutvergiftung und Kreislaufversagen reichen. Umso wichtiger, dass sowohl das Krankenhauspersonal, als auch die Patienten und ihre Besucher sich so gut wie möglich vor einer Ansteckung schützen. Und möglich ist das: die Keime werden über den Kontakt mit Haut und verunreinigten Gegenständen, also neben medizinischen Geräten Türklinken, Treppengeländer und so weiter, übertragen. Rund ein Drittel der im Krankenhaus erworbenen Infektionen wären durch die Einhaltung strenger Hygieneregeln vermeidbar.3 Minimieren Sie also als Besucher und Patient Ihr Infektionsrisiko mit diesen Hygienetipps:

1. Tipp: Händewaschen, Händewaschen und nochmals Händewaschen!

Keime werden häufig über den Hautkontakt weitergegeben. Daher gilt für alle im Krankenhaus befindlichen Personen, Patienten, Personal und Besucher: regelmäßiges gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife und anschließende Händedesinfektion, insbesondere vor und nach dem Essen sowie dem Toilettengang, ist Pflicht. Auch bevor das Patientenzimmer betreten und nachdem es verlassen wird, sollten die Hände desinfiziert werden. In vielen Krankenhäusern gibt es mittlerweile im Eingangsbereich einen Desinfektionsmittelspender für Besucher und Patienten, davon sollte man auch Gebrauch machen.

Übrigens sollten Sie sich das regelmäßige Händewaschen auch im Alltag angewöhnen, um sich vor Infektionen zu schützen.

2. Tipp: Nicht ins Gesicht fassen

Stellen Sie sich vor, Sie betreten das Krankenhaus, desinfizieren sich die Hände, gehen anschließend zum Aufzug und drücken den Knopf. Im Aufzug fassen Sie vielleicht noch das Geländer an und drücken, beim Zimmer Ihres Angehörigen angekommen, die Türklinke hinunter. Später wischen Sie sich übers Gesicht.

Da hilft auch die anfängliche Händedesinfektion wenig: Durch den Griff ins Gesicht gelangen die Keime auf die Schleimhäute in Nase, Mund oder Augen – das erleichtert eine Infektion. Der Griff ins Gesicht ist eine häufig unbewusste Handlung, die schwer zu unterdrücken ist, doch gerade im Krankenhaus sollten Sie es zumindest versuchen.

3. Tipp: Das Patientenbett ist tabu

Das Krankenhausbett sollte für alle außer den darin liegenden Patienten tabu sein. Über die Alltagskleidung können Keime auf die Bettdecke übertragen werden. Daher sollte man sich als Besucher nicht aufs Bett seines Angehörigen setzen und als Patient niemanden auf seinem Bett sitzen lassen. Für Besucher gibt es in jedem Krankenzimmer dafür vorgesehene Stühle.

4. Tipp: keimPhone

Mehrere hundert Mal nehmen wir täglich das Smartphone zur Hand: Beim Essen, in der U-Bahn, einfach überall. Auf Handys werden häufig mehr Bakterien festgestellt als auf Toilettentüren. Was bringt es also, sich erst penibel die Hände zu waschen, um anschließend das unreine Smartphone zur Hand zu nehmen? Abgesehen davon, dass man das Smartphone ab und zu reinigen sollte, sollte es im Krankenhaus also einfach entweder gar nicht erst dabei sein oder in der Tasche bleiben.

5. Tipp: Finger weg von der Fernbedienung

Ähnlich wie das Smartphone sind alle häufig genutzten Gebrauchsgegenstände Keimherde, im Krankenhaus umso mehr. Dazu gehört auch die Fernbedienung im Patientenzimmer. Als Besucher hat man daran sowieso nichts verloren. Und als Patient sollte man sich gut überlegen, ob es nicht ohnehin erholsamer ist, ein Buch zu lesen oder ein Hörbuch zu hören.

6. Tipp: Fragen Sie nach!

All diese Tipps sind ohne Zweifel wichtig, um sich vor Clostridium und Co. Zu schützen. Doch wie gesagt: dass die Mitarbeiter des Krankenhauses Hygieneregeln bei der Behandlung einhalten, ist umso wichtiger. Seien Sie deshalb aufmerksam: Wenn Ihnen bei der Behandlung von Ihnen oder Ihren Angehörigen Nachlässigkeiten bei der Hygiene auffallen, trauen Sie sich ruhig, nachzuhaken! Wenn also Einmalhandschuhe nicht sofort abgelegt werden oder die Desinfektion Ihnen schludrig vorkommt – seien Sie ruhig der unbequeme Patient! Im Notfall haben Sie zwar normalerweise keinen Einfluss darauf, in welches Krankenhaus Sie eingeliefert werden. Vor einem geplanten Krankenhausaufenthalt sollten Sie sich aber über die Hygienemaßnahmen vor Ort erkundigen. Das gibt Ihnen einen Eindruck davon, wie ernst es dort mit der Hygiene genommen wird. Ist in der Klinik beispielsweise ein Facharzt für Hygiene oder ein Krankenhaushygieniker angestellt? Ist dieser Arzt hauptamtlich an der Klinik beschäftigt? Bei mehr als 450 Betten sollte dies der Fall sein. Häuser mit mehr als 300 Betten sollten mindestens eine Hygienefachkraft in Vollzeit haben. Werden bereits infizierte Patienten gemäß den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts isoliert? Die Klinik sollte diese Punkte eindeutig mit "Ja" beantworten. Tut sie das nicht oder reagiert die Klinik nicht auf die Anfrage, sollten Sie diese Klinik eher meiden.

Quellen

1 https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/clostridium-difficile/ (zuletzt abgerufen am 14.10.2018, 10:35)

2  European Centre for Disease Prevention and Control (Hrsg.) (2015): Annual European Communicable Disease Epidemiological Report. Stockholm. ISBN 978-92-9193-062-3, ecdc.europa.eu.

3 https://www.aerzteblatt.de/archiv/132940/Krankenhausinfektionen-Ein-Drittel-ist-vermeidbar (zuletzt abgerufen am 14.10.2018, 10:35)