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Schmerz, lass nach! Rezeptfreie Schmerzmittel auf dem Prüfstand

Bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, aber auch chronischen Erkrankungen greifen viele Menschen zu Ibuprofen, Paracetamol und Co. Doch gerade bei chronischen Krankheiten wird dabei häufig die empfohlene Anwendungsdauer überschritten. Welche Gefahren drohen dabei, und was muss man sonst bei der Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln beachten?

Es gibt unendliche viele Ursachen für Schmerz. Neben vorübergehenden Kopf-, Rücken-, Zahn- oder Regelschmerzen sind bei vielen Menschen auch chronische Krankheiten dafür verantwortlich. So schmerzen bei Arthrose die Gelenke, bei Migräne der Kopf, bei Diabetes kann es zu schmerzhaften Nervenschädigungen kommen. Oder aber es handelt sich um psychosomatische Scherzen. Es ist es nur allzu verständlich, dass viele Patienten diese Schmerzen nicht auf Dauer ertragen wollen und zu nicht verschreibungspflichtigen, „Over the Counter“-Präparaten (= OTC-Medikamente) wie Aspirin oder Paracetamol greifen. Und das tun viele: rund ein Drittel (35 Millionen) der Deutschen gaben in einer Umfrage an, in den letzten drei Monaten nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel eingenommen zu haben.1 Zehn Prozent des weltweiten Umsatzes mit Pharmaka kommt aus OTC-Schmerzmitteln.2

Weil es diese Schmerzmittel eben ohne ärztliches Rezept in Apotheken frei erhältlich gibt, lassen viele Menschen die Einnahme nicht ärztlich begleiten. Es entsteht der Eindruck: die Risiken sind minimal, und die Behandlung ist unkompliziert und unproblematisch. Doch können vor allem bei der dauerhaften Einnahme von OTC-Schmerzmitteln auch Komplikationen und Gefahren lauern? Und was sollte man bei der Einnahme beachten? Diesen Fragen wollen wir nun nachgehen.

Wie lange kann man rezeptfreie Schmerzmittel gefahrlos einnehmen?

Trotz ihrer weiten Verbreitung weiß nach einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts nur ein Bruchteil der Anwender, dass rezeptfreie Schmerzmittel nicht länger als vier Tage angewendet werden sollten. Und diese Dauer wird daher von vielen, gerade von chronisch Erkrankten, oft nicht eingehalten: 75% der Frauen und Männer mit regelmäßiger Anwendung wenden Schmerzmittel länger als 7 Tage und ohne ärztliche Kontrolle an.3 

Zwar besteht bei rezeptfreien Schmerzmitteln keine annähernd so starke Suchtgefahr wie beispielsweise bei opioidhaltigen Schmerzmedikamenten. Doch werden sie an mehr als der Hälfte der Tage eines Monats angewendet, kann sich schon nach einigen Wochen ein sogenannter „medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz“ einstellen. Daneben birgt eine zu lange Anwendung noch weitere Risiken: es drohen Magenblutungen, Geschwüre und Schädigungen der Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt und Leberschäden.4

Welchen Wirkstoff kann ich bei welchen Beschwerden einnehmen?

Alle NSAR (= Nichtsteroidales Antirheumatikum; schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die kein Kortison enthalten, d.h. steroidfrei sind) haben eines gemeinsam: sie sind rezeptfrei erhältlich und werden zur Behandlung von akuten Schmerzen eingesetzt. Doch da enden auch schon die Gemeinsamkeiten: ihre Wirkweise im Einzelnen sowie Arten und Ausmaß von Nebenwirkungen unterscheiden sich teils erheblich. Die meisten Menschen wählen vermutlich ihr bevorzugtes Schmerzmittel nach eigenen Erfahrungen und Gewohnheiten aus. Doch nicht jedes Mittel ist für jede Art von Beschwerden geeignet.

Ibuprofen: Die Hälfte aller verkauften rezeptfreien Schmerzmittel enthalten den Wirkstoff Ibuprofen. Dass es das beliebteste Schmerzmittel ist, liegt vermutlich an seiner guten Verträglichkeit und dem geringeren Blutungsrisiko als beispielsweise bei der Einnahme von Acetylsalicylsäure. Auch die entzündungshemmende Wirkung ist stärker. Deshalb ist Ibuprofen vor allem bei Sportverletzungen sowie Gelenkschmerzen anzuwenden, aber auch bei Rückenschmerzen, Zahn- und Kopfschmerzen.

Paracetamol wirkt nicht entzündungshemmend. Deshalb sollte es nicht bei Schmerzen eingesetzt werden, die eine Entzündung zur Ursache haben, sondern eher bei Kopf- und Regelschmerzen. Jedoch wirkt es fiebersenkend und ist daher bei der begleitenden Behandlung eines grippalen Infektes einsetzbar. Paracetamol birgt jedoch die Gefahr einer Überdosis: die Tagesdosis von 8 g für einen Erwachsenen sollte nicht überschritten werden. Deshalb ist Paracetamol mittlerweile nur noch in vergleichsweise kleinen Packungsgrößen erhältlich.

Acetylsalicylsäure (ASS): Den meisten in Form von Aspirin bekannt, wird ASS oft als Kombinationspräparat z.B. mit Koffein oder Vitamin C verkauft. Aspirin ist bei Kopfschmerzen, Erkältungen wegen seiner fiebersenkenden und antiinflammatorischen Wirkung anwendbar. Weil es aber blutverdünnend wirkt und damit die Blutgerinnung hemmt, ist es beispielsweise bei Regelbeschwerden und bei Zahnschmerzen, die noch einen Eingriff nach sich ziehen könnten, nicht zu empfehlen. Auch für Kinder und Jugendliche ist es aufgrund der Gefahr, das Reye-Syndrom zu entwickeln, nicht empfohlen.5

Diclofenac weist eine ähnliche Wirkweise wie Ibuprofen auf. Daher wird es bei Gelenkschmerzen, rheumatischen Beschwerden, Rückenschmerzen, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen und anderen Sportverletzungen angewendet. Die Wirkung setzt meist noch schneller ein.

Welche Risiken gibt es bei der Einnahme von Schmerzmitteln?

Auch wenn Schmerzmittel nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden, können Probleme auftreten. Gerade bei Patienten, die an chronischen Erkrankungen leiden und andere Medikamente einnehmen müssen, können durch die gleichzeitige Einnahme von OTC-Schmerzmitteln und anderen Medikamenten unerwünschte Arzenimittelinteraktionen auftreten. Auch die gleichzeitige Einnahme von verschreibungspflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln kann zu Komplikationen führen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Erkältung. Erst besorgen Sie sich in der Apotheke ein Paracetamol gegen die Kopfschmerzen. Später entscheiden Sie sich, in einer anderen Apotheke beispielsweise Grippostad zu kaufen, weil Sie so schnell wie möglich wieder fit sein möchten. Hier ist Vorsicht geboten: Grippostad enthält ebenfalls den Wirkstoff Paracetamol. Uninformierten Patienten kann es so schnell passieren, dass sie eine versehentliche Überdosis einnehmen, zumindest aber die empfohlene tägliche Dosis überschreiten. Gerade beim Wirkstoff Paracetamol ist diese schnell erreicht und kann zu Leberschäden führen.6Deshalb sollte die Einnahme von Schmerzmitteln immer mit dem behandelnden Arzt, mindestens aber mit dem Apotheker besprochen werden.

Wie kann ich mich schützen?

Sollten Schmerzmittel also grundsätzlich verschreibungspflichtig werden? Diese Frage wird derzeit wieder diskutiert. Der Vorwurf: Durch die Rezeptfreiheit entstehe der Eindruck, dass es sich um ungefährliche Lutschtabletten handele.

Doch die Rezeptfreiheit hat auch enorme Vorteile. Nicht nur werden die Arztpraxen dadurch entlastet, sondern es gibt den Patienten auch ein Stück Autonomie, kleinere Beschwerden eigenständig zu behandeln. Auch sind sich die meisten Mediziner mittlerweile einig: Schmerzen sollte niemand auf Dauer ertragen müssen, und deshalb sollten Schmerzmittel leicht verfügbar sein.

Die kurzzeitige Einnahme von Schmerzmitteln aus akuten Beschwerden bleibt relativ unproblematisch. Doch dass es insbesondere bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum auch Risiken und Nebenwirkungen gibt, die nicht unterschätzt werden sollten, wurde hier gezeigt. Deshalb sollten sich Patienten, die aufgrund einer chronischen Erkrankung dauerhaft unter Schmerzen leiden und daher lange auf Schmerzmittel angewiesen sind, von ihrem Arzt nicht nur zur Behandlung der Erkrankung selbst, sondern auch zur Behandlung der damit einhergehenden Schmerzen beraten lassen. Vor allem die Gefahr unerwünschter Arzneimittelinteraktionen ist bei chronischen Erkrankungen groß und sollte durch den Arzt ausgeschlossen werden, indem er weiß, welche Medikamente und welche Schmerzmittel der Patient einnimmt.

Quellen

1 Freytag, A., Quinzler, R., Freitag, M. et al. Schmerz (2014). Gebrauch und potenzielle Risiken durch nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel. 28: 175. (https://doi.org/10.1007/s00482-014-1415-5.

https://de.statista.com/outlook/18010000/137/schmerzmittel/deutschland#market-revenue (letzter Zugriff: 06.11.2018, 13:50 Uhr)

3 Bundesgesundheitsministerium; Robert-Koch-Institut (2014). Anwendung rezeptfreier Analgetika in Deutschland Eine Befragungsstudie zum Anwendungsverhalten, zur Kenntnis von Anwendungsinformationen und Bewertung eines möglichen Packungsaufdrucks in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung. Online verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Abschlussbericht-RKI-II.pdf (letzter Zugriff: 06.11.2018, 13:50 Uhr)

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/nebenwirkungen-rezeptfreie-schmerzmittel-bekommen-warnhinweis-1.4012391 (letzter Zugriff: 06.11.2018, 13:50 Uhr)

5 https://de.wikipedia.org/wiki/Reye-Syndrom (letzter Zugriff: 06.11.2018, 13:50 Uhr)

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2016/daz-28-2016/ueberdosis-paracetamol (letzter Zugriff: 06.11.2018, 13:50 Uhr)