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Nahrungsergänzungsmittel: für jedes Zipperlein ein Pillchen

„Steigern Sie nachweislich Ihre Konzentrationsfähigkeit!“ – „Versorgt den Körper mit allem, was er für einen aktiven Stoffwechsel braucht“ – „Schluss mit Stress – 23 natürliche Nährstoffe für Ausgeglichenheit, Nerven & Schlaf“ - An dieser kleinen Auswahl von Slogans, mit denen Nahrungsergänzungsmittel beworben werden, wird schnell klar, warum sie so beliebt sind: sie sollen uns gesünder, fitter, stärker, einfach rundum besser machen. Es gibt kaum ein Problem, für das Hersteller der Präparate nicht die Lösung anpreisen. Und Hand aufs Herz: wer hat noch nicht beim Anflug einer Erkältung zu Vitamin C-Kapseln gegriffen?

Der Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln boomt: Der Umsatz mit ihnen ist 2016 um 6 Prozent gestiegen – die Deutschen kauften in diesem Jahr 1,6 Millionen Packungen Tabletten, Kapseln und Tropfen, die allesamt versprechen, sie gesünder, leistungsfähiger und schöner zu machen.1 Doch obwohl 60 Prozent der Befragten einer YouGov-Umfrage schon einmal Nahrungsergänzungspräparate gekauft haben, gaben gleichzeitig 65 Prozent an, dass sie ihre Wirkung als überschätzt ansehen und ihnen eher skeptisch gegenüberstehen.2 Diese Skepsis ist nicht ganz unberechtigt. Wir stellen Ihnen die meistverkauften und am heißesten diskutierten Nahrungsergänzungsmittel vor und welche davon sinnvoll sein können.

1. Vitamine

Vitamine sind Stoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann, sondern auf Zufuhr aus der Nahrung angewiesen ist. Für ansonsten gesunde Menschen gilt: durch eine ausgewogene Ernährung werden meist auch genügend Vitamine zu sich genommen. Nur einige Risikogruppen, wie Schwangere, Veganer oder chronisch Kranke sollten die Supplementierung in Erwägung ziehen, jedoch am besten nicht ohne es zuvor mit einem Arzt oder Apotheker zu besprechen. Darüber hinaus ist die Supplementierung durch Tabletten bei den meisten Vitaminen wenig sinnvoll, da viele Präparate zu hoch dosiert sind. Vitamine können aber nur bis zu einer bestimmten Dosis vom Körper aufgenommen werden, sodass sich gerade fettlösliche Vitamine im Körper anreichern, was wiederum beispielsweise im Fall von Vitamin E zu gesundheitlichen Problemen führen kann. In einer 2012 durchgeführten klinischen Studie wurde keine lebensverlängernde oder krankheitsverhindernde Wirkung von Antioxidantien festgestellt, sondern im Gegenteil eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei der Einnahme von Vitamin E und A.3

Der Verzehr von Vitaminpräparaten ist also grundsätzlich nicht sinnvoll. Eine Ausnahme kann Vitamin D darstellen, das einzige Vitamin, das im Körper synthetisiert werden kann. Wir empfehlen dazu unseren Blogbeitrag „Vitamin D: Ein guter Begleiter in der dunklen Jahreshälfte“.

2. Omega-3-Fettsäuren

Auch als Fischöl und als wahre Wunderwaffe vertrieben, sollen Omega-3-Fettsäuren unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Jedoch wurde in mehreren Studien festgestellt, dass der Verzehr von Fischöl in Kapselform zusätzlich zur normalen Ernährung keine Wirkung zeigt.4 Man kann also durch den Verzehr von Omega-3-Kapseln kardiovaskulären Krankheiten ebenso wenig vorbeugen wie Makuladegeneration, einer altersbedingten Augenerkrankung.5  Der normale Verzehr von Omega-3-Fettsäurehaltigem Essen wie Fisch oder bestimmte Ölsorten ist demgegenüber wie gehabt zu empfehlen.

3. Magnesium

Auch zu Magnesiumpräparaten greifen die Deutschen gern, um Muskelkrämpfen vorzubeugen, den Stoffwechsel anzukurbeln, sowie zur Unterstützung der Muskel- und Nervenfunktion.

Die zusätzliche Zugabe von Magnesium ist grundsätzlich nur bei einem Magnesiummangel sinnvoll. Anzeichen für diesen können beispielsweise häufige Muskelkrämpfe oder Muskelzucken, Müdigkeit und Kopfschmerzen sein. Zur Feststellung eines Magnesiummangels und zur Beratung bei der einzunehmenden Dosis sollte immer ein Arzt zurate gezogen werden. Häufig sind außerdem die gängigen Präparate deutlich zu hoch dosiert: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Tageshöchstdosis von 250 mg, wohingegen die gängigen Präparate meist 400-800mg Magnesium enthalten.6

4. Eisen

Vor allem für Frauen in der Schwangerschaft oder bei besonders starken Blutungen wird häufig die Einnahme von Eisen verordnet. Wurde ein Eisenmangel oder gar eine Eisenmangelanämie, also Blutarmut, beispielsweise durch einen Bluttest festgestellt, ist die Einnahme ähnlich wie bei Magnesium empfehlenswert. Die Einnahme von Eisenpräparaten kann zu Magen-Darmbeschwerden wie Krämpfen, Verstopfung und Übelkeit führen, sodass sie tatsächlich nur bei einem schwerwiegenden Eisenmangel ratsam ist. Auch die gleichzeitige Ernährungsumstellung ist bei einem Eisenmangel sinnvoll, sodass auch über den Verzehr von eisenreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Nüsse, Milch, Eier und Hülsenfrüchte Eisen aufgenommen werden sollte. Auch sollte die Dosis der gegebenenfalls einzunehmenden Präparate genau mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.

5. Eiweißpräparate

Nicht nur in der Diät, auch in der alltäglichen Ernährung greifen viele Menschen zu Eiweißpulver, Protein-Snacks und Co. Hobbysportler und auch Profis versprechen sich von einer eiweißreichen Ernährung einen optimierten Muskelaufbau, Gewichtsabnahme und verbesserte Leistungsfähigkeit.

Doch die Studienlage deutet darauf hin, dass es gesünder ist, den täglichen Eiweißbedarf über die Nahrung zu decken. Nicht nur, dass der Verzehr von sattmachenden Eiweißprodukten zu einer einseitigen und somit ansonsten nährstoffärmeren Ernährung führt. Nein, es ist auch erwiesen, dass es absolut möglich ist, über eiweißreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Tofu, Milchprodukte, bestimmte Fisch- und Fleischsorten sowie Eier genug Protein zu sich zu nehmen – übrigens auch als Vegetarier. Wer nicht gerade als Bodybuilder seine Brötchen verdient, muss kein Geld für die häufig teuren Proteinprodukte ausgeben. Zudem gibt es Hinweise, dass sich einige Proteinsorten negativ auf Hautbild und Verdauung auswirken können. Auch sind einige Pulver mit Aromastoffen und Süßungsmitteln versetzt, die wiederum aus verschiedenen Gründen ungesund sind.7

Fazit: Heilsversprechen sollten Sie immer stutzig werden lassen

Die gute Nachricht erst einmal vorweg: In den meisten Fällen hat man nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln keine oder nur minimale negative Folgen zu erwarten. Dennoch deutet die Studienlage darauf hin, dass man in den meisten Fällen das dafür ausgegebene Geld besser für Obst, Gemüse und Nüsse – nährstoff- und vitaminreiche Lebensmittel – investiert hätte.

Nahrungsergänzungsmittel fallen unter die Produktkategorie Lebensmittel und werden daher nicht genauso streng auf ihre Wirksamkeit geprüft wie Medikamente. Auch gibt es aus diesem Grund weniger strenge Richtlinien für ihre Beschreibung, Bewerbung und ihren Vertrieb. Deshalb sollte man bei der Einnahme von Supplementen immer Vorsicht walten lassen und im Zweifel lieber auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten. Denn die Meinung, die nicht nur das BfR, sondern die meisten medizinischen Experten und Institutionen vertreten, lautet: Wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt und keine leistungssportlichen Ziele wie beispielsweise einen überdurchschnittlichen Muskelaufbau erreichen will, der erhält alle notwendigen Nährstoffe aus der Ernährung, sodass die Supplementierung überflüssig ist. Vor allem übertriebene Heilsversprechen sollten immer stutzig machen. Umgekehrt kann man eben eine einseitige und ungesunde Ernährung nicht durch Nahrungsergänzungsmittel wettmachen – so schön und verlockend das auch klingen mag.

Quellen

1 https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/nahrungsergaenzungsmittel-das-grosse-geschaeft-mit-den-wellness-pillen/19629022.html (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)

2 https://www.focus.de/gesundheit/gesund-leben/umfrage-nahrungsergaenzungsmittel-verbraucher-sind-skeptisch_id_9803913.html (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)

3 Bjelakovic G, Nikolova D, Gluud LL, Simonetti RG, Gluud C (2012): Antioxidant supplements for prevention of mortality in healthy participants and patients with various diseases. Cochrane Library.

4 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Nahrungserg%E4nzungsmittel?nid=93518 (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)

5 https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/963724/metaanalyse-fischoel-taugt-nicht-herzschutz.html (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)

6 https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/12/15/bfr-maximal-250-mg-magnesium-pro-tag (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)

7 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Nahrungserg%E4nzungsmittel?nid=92224 (letzter Zugriff: 30.10.2018, 11:55 Uhr)