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Das große Aufräumen. Die Psychologie des Putzens

"Sichtbares Durcheinander lenkt uns von der wahren Ursache der Unordnung ab."  - Marie Kondo, The Life-Changing Magic of Tidying Up.

Das Phänomen Marie Kondo mit 7 Millionen verkauften Büchern und einer Netflix-Serie übers Aufräumen zeigt: Putzen und Aufräumen sind im Trend. Und Millionen von Menschen glauben an die reinigende Wirkung des Aufräumens für Körper und Seele. Wir gehen dem Hype auf den Grund: Wie viel Wahrheit steckt im Aufräum-Wahn? Und wir geben Ihnen Tipps, wie es gelingt, sich von unnützen Dingen zu trennen und das große Aufräumen nicht aufzuschieben.

Minimalismus und Aufräumen sind im Trend

Marie Kondo, die japanische Aufräum-Päpstin, hat einen weltweiten Trend gesetzt. Ihre "KonMari"-Methode wird von hunderttausenden angewendet. Kondo spricht in zahllosen Talkshows und Podiumsdiskussionen über die reinigende Wirkung ihrer Entrümpelungsmethoden. Auch über ihre Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo" wird viel diskutiert. Die Sendung hat außerdem hunderttausende Social-Media-Nutzer dazu inspiriert, unter dem Hashtag #KonMari Fotos von ihren ordentlichen Schubladen, Küchen und Garagen zu veröffentlichen.1 Die Ästhetik dieser Bilder von mit der #KonMari-Methode adrett gefalteten Hemden und ordentlichen Schreibtischen wiederum passt zum Lifestyle-Medium Instagram.

Abgesehen vom Nachhaltigkeitstrend, der einen gewissen Grad an Minimalismus mit sich bringt, scheint Kondo den Zeitgeist getroffen zu haben. Weniger Konsum, weniger Besitz, weniger Kram - das schickt sich seit einigen Jahren. Aber wie viel steckt tatsächlich hinter dem Trend? Verbessert sich durch einen aufgeräumten Kleiderschrank wirklich gleich das ganze Leben? Denn nichts geringeres verspricht die Japanerin: "Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert" heißt eines ihrer millionenfach verkauften Bücher.

Wie Glück und Ordnung zusammenhängen

Im negativen Extremfall ist ein Zusammenhang von Unordnung und Gemütszustand unbestritten. Messietum, also ein krankhaft chaotisches, vermülltes Zuhause und die Unfähigkeit, sich von Besitz zu trennen, ist laut Experten tatsächlich ein Hinweis auf psychische Erkrankungen oder tritt als Begleiterscheinung von Süchten auf. Demenz, Psychosen und Depressionen können mit der Unfähigkeit, aufzuräumen, einhergehen.2 Das Chaos im Innern zeigt sich gewissermaßen nach außen.3

Doch auch umgekehrt deutet die Studienlage darauf hin, dass sowohl das Putzen als Tätigkeit, als auch eine ordentliche Umgebung sich positiv auf die Psyche auswirken können.

Putzen wird nicht nur subjektiv von vielen als therapeutische Tätigkeit empfunden.4 Sondern es ist die körperliche Bewegung beim Putzen und Aufräumen, die für die vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen sorgt und das Risiko für Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.5 Außerdem senkt wöchentliches Putzen laut einer Studie der Universität London das Risiko, an einer Depression zu erkranken, um zwanzig Prozent.6 

Wem das noch nicht genügend Motivation ist, den Wischmopp in die Hand zu nehmen: in aufgeräumten, sauber wirkenden Umgebungen lässt es sich darüber hinaus besser und produktiver arbeiten. Zumindest der Schreibtisch solte also gut organisiert sein. 7

Tipps zum Aufräumen

Die Garage auszumisten und regelmäßig die Fenster zu putzen, lohnt sich also definitiv. Doch wie geht man diese scheinbare Mammutaufgabe am besten an?

  • Die generelle Herangehensweise ist sicherlich der wichtigste Tipp, wie die Motivation zum Aufräumen nicht flöten geht. Fangen Sie also mit kleinen Bereichen an, wie einer Küchenschublade, und nehmen Sie sich nicht gleich am ersten Tag vor, die Garage oder den Dachboden auszumisten. Sie können das Aufräumen auch stückeln, also in kleine Etappenziele einteilen. Entrümpeln Sie also jeden Sonntag ein Zimmer oder jeden Tag eine Schublade Ihres Kleiderschranks. Mit diesen Tricks erscheint der Berg Arbeit gleich gar nicht mehr so groß, und die Ziele werden erreichbarer. Am besten tragen Sie sich das Aufräumen oder Putzen in Ihren Kalender als feste Termine ein. Schriftlich festgehaltene Aufgaben abhaken zu können, gibt ein gutes Gefühl.
  • Viele standen beim Frühjahrsputz sicherlich schon einmal vor einem Gegenstand und konnte sich nicht entscheiden: "Soll ich das wirklich wegwerfen? Ich könnte es ja irgendwann einmal wieder tragen, anschauen, benutzen wollen!" Genau diese Unfähigkeit, sich zu entscheiden, bekämpft Marie Kondo mit einer einzigen Frage. "Does it spark joy?", bringt es mir noch Freude?, soll man sich bei jedem einzelnen Gegenstand fragen. Damit soll die Entscheidung über behalten oder entsorgen einfacher werden. Diese Methode ist kein schlechter Ausgangspunkt. Eigentlich ist das aber ein alter Trick im neuen Gewand: Aufräumexperten empfehlen schon lange, Gegenstände, die seit mehr als einem (Viertel-)Jahr nicht benutzt wurden, wegzuwerfen.
  • Stellen Sie Regeln auf! So entstehen Automatismen, und das Aufräumen ist keine große Überwindung mehr. So eine Regeln kann zum Beispiel sein "donnerstags bringe ich alte Zeitschriften zur Mülltonne" oder "sonntags wasche ich Wäsche". Auch bezüglich der Orte, an denen Sie Dinge verstauen, sollten Sie Regeln aufstellen. Also beispielsweise "im Flur darf nichts auf dem Boden liegen" oder "Meine getragene Kleidung räume ich abends sofort weg und werfe sie nicht auf den Boden". Wenn Dinge einen festen, leicht erreichbaren Platz haben, erfordert das Aufräumen wenig Nachdenken und geht leichter von der Hand.

Quellen

https://www.instagram.com/explore/tags/konmari/?hl=de  (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)

https://www.welt.de/gesundheit/article13742873/Messies-wollen-aufraeumen-schaffen-es-aber-nicht.html (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr); Steins, G. (2000). Untersuchungen zur Deskription einer Desorganisationsproblematik: Was verbirgt sich hinter dem Phänomen Messie? In: Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Vol. 48:3, S. 266–179.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/33777/Messie-Syndrom-Loecher-in-der-Seele-stopfen (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article106177648/Therapeutisches-Putzen-kann-gluecklich-machen.html (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)

http://newsinfo.iu.edu/web/page/normal/14627.html (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)

http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/7338644.stm (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21228167 (zuletzt abgerufen am 19.02.2019, 09:40 Uhr)8