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COVID-19 – lohnt es sich überhaupt, weiterzuforschen?

Wissenschaftlerin schaut durch Mikroskop

Am 27. Dezember 2020 war es endlich so weit: Deutschland hat begonnen, gegen Corona zu impfen. Alle bisher zugelassenen COVID-19-Impfstoffe durchliefen zuvor strenge Tests – alle haben sich als gut verträglich erwiesen. So erfreulich dies auch ist – was Erkenntnisse über Corona anbelangt, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Lesen Sie, warum die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe als sicher gelten und weshalb es notwendig ist, weitere klinische Studien zu COVID-19 durchzuführen.

 

Schon über ein Jahr ist es her, dass die Corona-Pandemie ihren Anfang nahm. Seitdem wird weltweit intensiv nach Impfstoffen geforscht – mit Erfolg: Im Dezember 2020 hat Deutschland damit begonnen, seine Bevölkerung gegen COVID-19 zu impfen. Die bisher eingesetzten Impfstoffe durchliefen vor ihrer Zulassung sehr strenge Überprüfungen: Zunächst wurden sie in Tierversuchen getestet. Im Falle guter Ergebnisse wurden sie danach in klinischen Studien an sehr vielen freiwilligen Menschen erprobt. Alle aktuell zugelassenen Impfstoffe zeigten keine problematischen Nebenwirkungen und gelten somit als gut verträglich. Diese erfreuliche Nachricht lässt aufatmen: Die ganze Welt fiebert dem Ende der Pandemie entgegen. Doch in der (klinischen) Forschung gilt generell, sich nicht auf bisherigen Erfolgen auszuruhen. Dies gilt auch beziehungsweise umso mehr für COVID-19. Vielleicht gehören auch Sie zu den Menschen, die an den bisher zugelassenen Impfstoffen zweifeln und/oder sich fragen, warum es notwendig ist, Corona weiterhin zu erforschen. Ihre Bedenken sind nachvollziehbar, aber können entkräftet werden: Lassen Sie uns Licht ins Dunkel bringen!

 

„Es geht doch schon los mit den Impfungen – jetzt können wir nur noch warten!“

Corona hat sich rasant auf allen Kontinenten verbreitet – dementsprechend muss die ganze Welt mit Impfstoffen versorgt werden. Diese extrem hohe Nachfrage kann nicht mit einem Mal erfüllt werden: Die Produktionskapazitäten sind – zumindest am Anfang – begrenzt. Darum werden die Menschen nach Dringlichkeit geimpft: Risikogruppen und medizinisches Personal stehen ganz oben auf der Liste. [1] Bis die breite Bevölkerung gegen COVID-19 geimpft ist, wird es also einige Zeit dauern. Bis dahin gilt es, weitere wichtige Erkenntnisse zu Corona zu sammeln. So müssen beispielsweise Medikamente getestet werden, die bereits bestehende Infektionen effektiv behandeln sollen. [2]

 

“Ich soll Kontakte vermeiden, aber ins Studienzentrum zu fremden Menschen gehen?!“

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen: Die Bevölkerung soll einerseits Kontakte einschränken, aber andererseits rufen Studienzentren dazu auf, an Corona-Impfstoff-Studien teilzunehmen. Tatsächlich ist es aber so, dass Kontakt nicht gleich Kontakt ist und hier mit zweierlei Maß gemessen werden muss: Nur klinische Forschung kann aussagekräftige Erkenntnisse hervorbringen und der Corona-Pandemie ein Ende setzen – daran führt kein Weg vorbei. Klinische Forschung ist aber nur dann möglich, wenn genug Menschen freiwillig bereit sind, an Studien teilzunehmen. Diese Logik basiert auf dem Grundsatz der sogenannten evidenzbasierten Medizin: Die Entwicklung medizinischer Behandlungen kann nur dann nach bestem Wissen und Gewissen erfolgen, wenn ausreichend Beweise für ihre Wirksamkeit und Sicherheit gesammelt wurden. Diese Evidenz ist messbar: Dabei besitzen klinische Studien, idealerweise randomisiert und doppelblind, die höchste Aussagekraft. Die Corona-Pandemie zerrt allen Menschen an den Nerven, doch es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. So schwer es auch ist: Wir müssen gemeinsam noch etwas Geduld und Durchhaltevermögen beweisen. [3]

 

“Es sind doch bereits Impfstoffe zugelassen worden – reichen die nicht?!“

Auch wenn bereits mehrere Impfstoffe erfolgreich eingesetzt wurden und werden – Zurücklehnen ist keine Option. Im Gegenteil: Es bestehen noch viele offene Fragen zu Corona. So muss weitere Forschung beispielsweise noch herausfinden, ob ein gegen COVID-19-geimpfter Mensch trotzdem ansteckend ist, wie lange die Impfstoffe wirken und ob es noch wirksamere Impfstoffe geben könnte. [4]

 

“Aber das Virus mutiert doch – was bringt uns ein Wirkstoff, der bald nicht mehr hilft?“

Bisher sind drei potenziell gefährliche Mutationen, also genetische Veränderungen, des Coronavirus bekannt: eine brasilianische, eine südafrikanische und eine britische Version. Man geht derzeit davon aus, dass die Mutationen es dem Coronavirus ermöglichen, leichter in die menschliche Zelle einzudringen. Zunächst einmal ist es nicht unüblich, sondern ganz normal, dass Viren mutieren: Je mehr Menschen eine Infektion durchlaufen und Antikörper gebildet haben, desto schwerer fällt es Viren, noch nicht immune Menschen beziehungsweise Wirte zu finden. Daraufhin mutieren die Viren, da das menschliche Immunsystem Mutationen nicht so gut erkennt. Außerdem lösen die Corona-Mutationen keinen schwereren Krankheitsverlauf aus als das ursprüngliche Coronavirus – was jedoch kein Grund ist, sie nicht ernstzunehmen: Die Mutationen sind nämlich wesentlich ansteckender. Aber erfreulicherweise ist das Coronavirus bisher relativ langsam mutiert. Darüber hinaus produzieren die aktuell zugelassenen Impfstoffe spezifische Antikörper, die an mehreren Stellen des Coronavirus andocken: Wenn sich das Virus an einer Stelle verändern sollte, wird die Impfstoff-Wirkung eventuell etwas geschwächt – aber keinesfalls verhindert. Außerdem ist es laut Forschung möglich, die Sequenz eines Corona-Impfstoffs auszutauschen und innerhalb von 6 Wochen eine neue Impfung parat zu haben. Alles in allem ist nach derzeitigem Forschungsstand also davon auszugehen, dass die aktuell eingesetzten Impfstoffe auch gegen die Corona-Mutationen längerfristig wirken. [5] Aber wie immer in der Forschung gilt: Weiterforschen!

 

“Die Zulassung ging viel zu schnell – Der Impfstoff kann gar nicht sicher sein!“

Es stimmt, dass die Corona-Impfstoffe ungewöhnlich schnell zugelassen wurden: In der Regel werden mehrere Jahre lang klinische Forschung betrieben, ehe ein neues Medikament auf dem Markt zugelassen wird. Die Corona-Pandemie ist eine spezifische Ausnahme von dieser Regel – was jedoch keineswegs bedeutet, dass die klinischen Studien zu COVID-19-Impfstoffen weniger streng abgelaufen sind. Tatsächlich wurden die bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe nach den gleichen gängigen Forschungskriterien getestet: Sie wurden ausreichend überprüft, sodass sichergestellt werden konnte, dass ihr Nutzen gegenüber möglichen Nebenwirkungen überwiegt. Jedoch wurden in den Corona-Studien sehr viel mehr Studienteilnehmer als bei üblichen Impfstudien eingeschlossen – Erkenntnisse und Ergebnisse lagen somit viel schneller vor. Angesichts der weltweit wütenden Pandemie wurde die Zulassung der COVID-19-Impfstoffe also bewusst beschleunigt: Es wurden hohe Investitionen getätigt und besondere Priorisierungen in Bearbeitungsschritten getroffen. [6] 

 

Fazit

Die Corona-Pandemie ist für uns alle eine völlig neue Erfahrung – dementsprechend groß ist die Informationsflut, die seit über einem Jahr auf uns einprasselt. Bei all den Informationen ist es insbesondere für Nicht-Experten oftmals schwierig, den Überblick zu behalten und den genauen Sinn hinter bestimmten gesundheitspolitischen und wissenschaftlichen Vorgehensweisen sofort zu erkennen. Es ist daher verständlich, unsicher oder skeptisch zu sein und Fragen zu haben. Wir hoffen, unser Blogbeitrag konnte nachvollziehbar erklären, warum die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Corona zwar erfreulich sind, aber noch nicht ausreichen. COVID-19 – lohnt es sich überhaupt, weiterzuforschen? Ja, absolut! Denn es gilt: Auf mehrere Pferde setzen – vor allem bei der Gesundheit!

 

Quellen:

[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus/faq-covid-19-impfung.html?fbclid=IwAR27QeZ-G0xBbWxenL1G-qhxaHJtLgr0aC4NO6OA1L28xcOMoFm7Q57gn2s

[2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118891/Mediziner-Weitere-Forschung-an-Coronamedikamenten-noetig

[3] https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/kompetenz-gesundheit/fortschritt-durch-evidenz-0

[4] https://www.br.de/nachrichten/wissen/corona-impfstoffe-in-der-letzten-phase-der-klinischen-pruefung,SEiipa3

[5] https://www.br.de/nachrichten/wissen/wirkt-der-corona-impfstoff-auch-bei-mutationen-possoch-klaert,SM51gAD

[6] https://www.swr.de/wissen/was-macht-coronavirus-mutationen-gefaehrlich-100.html

 

Stand: 22. Februar 2021

 

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