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Corona und unsere Psyche

depressive Frau die auf dem Boden sitzt

Die Covid-19-Pandemie stellt unsere Gesellschaft, unsere Politik und unsere Wirtschaft vor riesige Herausforderungen. Aber auch für jeden einzelnen sind die Einschränkungen der letzten Monate eine große Belastung. Diese schwierige Zeit bringt Ängste hervor, und das Kontaktverbot sorgt dafür, dass sich viele Menschen einsam fühlen. Psychologen und Mediziner befürchten, dass im Zuge der Coronakrise psychische Erkrankungen vermehrt aufkommen könnten. Fehlende soziale Kontakte und Isolation können Depressions-Tendenzen verstärken und zu einer depressiven Episode führen.

Unser Psychologe Waldemar Kohl schildert im Interview seine Eindrücke zur Situation und wie sich Corona auf die Psyche auswirken könnte.

 

1. Hast Du von Patienten ein Feedback bekommen, wie es ihnen in der Corona-Zeit so ergeht?

Das Feedback ist insgesamt sehr gemischt. Die Situation einer Pandemie kennt die moderne Gesellschaft nur aus Filmen, seien es Dokumentar- oder auch Spielfilme. Noch überwiegen eine gewisse Lässigkeit und Zuversicht, dass das Ganze nur von kurzer Dauer ist.

Einige Patienten äußern sich positiv über die erzwungene Entschleunigung. Selbst Patienten, die unter Depressionen leiden, melden, dass der Arbeitsausfall und das Kontaktverbot Ihnen guttun. Die Last, funktionsfähig zu sein und eine Fassade im beruflichen Alltag (welcher nun pausiert wurde) aufrecht zu erhalten, wurde von ihnen genommen. Vereinzelt gibt es aber auch Patienten, bei denen die Angst einer Ansteckung das Verhalten sehr deutlich diktiert. Die Patienten vermeiden komplett den öffentlichen Nahverkehr, lassen sich Essen bis vor die Haustür kotaktlos liefern und verlassen die Wohnung kaum.

Es ist also sehr unterschiedlich, wie es uns Menschen zur Corona-Zeit so ergeht.

 

2. Was meinst Du, wird die Anzahl der Depressionsfälle steigen?

 

Alles Unbekannte und schwer Vorhersehbare kann auch angstauslösend sein und verunsichernd wirken. Sollte sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage für eine breite Schicht der Bevölkerung verschlechtern, ist damit zu rechnen, dass dieser Dauerstress depressionsauslösend wirken könnte. Nicht ohne Grund wird die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre als die Große Depression bezeichnet. Wenn die Menschen keine Verwendung oder Zukunftsaussichten für sich sehen und sich ausgeliefert und hilflos fühlen, dann kann das die Menschen in die Verzweiflung treiben. Andererseits rücken die Menschen in Krisen auch eher zusammen und stellen manchmal erstaunt fest, wie stark ihr Alltag vorher von Belanglosem bestimmt war.

 

3. Wie kann man sich in dieser Zeit selbst helfen?

Man sagt, Panik ist ein schlechter Ratgeber. Das hat uns unsere Erfahrung immer wieder gelehrt. Zur Zeit der Coronakrise gibt es kaum etwas anderes, worüber die Medien berichten. Um Falschmeldungen und Panikmache zu vermeiden, ist es wichtig, zuverlässige Informationsquellen zu nutzen (Bundesgesundheitsministerium, Weltgesundheitsorganisation, Robert-Koch-Institut).

Informiert sein ist gut, aber nicht minder wichtig ist die Dosis. Ich kann nur empfehlen, sich nicht den ganzen Tag über Corona zu informieren. Es kann helfen, sich ein tägliches Zeitlimit zu setzen, in dem man Nachrichten liest und sich informiert. So kann man in der restlichen Zeit den „CoronaStress“ abbauen.

Darüber hinaus sollten Sorgen und Ängste nicht unsere ganze Aufmerksamkeit binden, denn das kann leicht in den Schlaf übergehen und uns die Erholung rauben. Es ist ratsam, einen Teil seiner Zeit einer sinnvollen Tätigkeit zu widmen, lange aufgeschobene Aufgaben endlich nachzuholen, sich mit anderen Menschen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu ermuntern. Angst und Stress mobilisiert uns zwar und macht uns kampf- und fluchtbereit. Der Preis dafür ist jedoch, dass das Immunsystem währenddessen heruntergefahren wird. Daher ist es eventuell eine gute Idee, die ein oder andere Talkrunde aus der ganzen Flut an Debatten im Fernsehen einfach mal auszulassen.

Abschließend ist es auch wichtig zu sagen: Wenn persönliche, negative Gefühle aber immer schlimmer werden, sollte bei der Hilfesuche nicht gezögert werden. In diesen Zeiten ist das Finden eines Psychotherapeuten nicht leicht. Viele versuchen aber zur Coronakrise, ihre Therapieangebote online verfügbar zu machen.

Danke, Waldemar Kohl, für deinen professionellen Einblick zum Thema Corona und unsere Psyche!

Suchen Sie Hilfe? Das Corona-Telefon des Bundesverbandes Deutscher Psychologen unter 0800 777 22 44 können sie täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr anonym und kostenlos erreichen. Hausärzte, Fachärzte und psychiatrische Kliniken sind nach wie vor geöffnet. Scheuen Sie sich nicht in Krisen, nach Hilfe zu fragen.